• 21. Juni. 2016 /  Australien, NISSA

    Nambour (QLD) bis Katherine (NT), 5.6. – 21.6.2016

    Schönheit der Savanne

    Keine 2 Std. westlich von der Ostküste sind wir bereits im Outback. Es macht sich bemerkbar mit völlig unbesiedelter, trockener Steppenlandschaft. Und mit vielen Kängurus. Wir sehen sie komischerweise immer nur zu Hunderten auf der rechten Strassenseite. Leider aber noch viel mehr als Roadkill! Und dies zu Tausenden. Leichen pflastern unseren Weg. Je nach Gegend zählen wir auf wenigen km zig Kadaver, von eben ganz frisch überfahrenen bis zu haufenweise Knochen, die in der Sonne weiss aus dem roten Sand leuchten. Offensichtlich ist es nicht einfach, diesen hüpfenden Skippies auszuweichen oder die Aussies, vielleicht die Fahrer der Roadtrains ( Laster mit bis zu 4 Anhängern und gegen 60 Meter lang) machen sich einen Spass daraus, wer die meisten erwischt.

    Skippy    Roadtrain

    Wir jedoch wollen Kängus nur mit der Kamera erwischen und fahren deshalb gemütlich und konzentriert. Nicht ganz einfach einen Stopp zu reissen, wenn nur 10 m hinter uns ein 55 m Laster versucht zu überholen. Da bremsen auch wir nicht plötzlich. Also diesen Irren Platz machen, sobald es geht.

    Wo Koala drauf steht, ist auch Koala drin!! Ein Schild am Strassenrand warnt vor diesen kreuzenden Plüschtieren und tatsächlich, nur 100 m weiter sehen wir unseren ersten Koala in einer Astgabel schlafen. Welche Freude, das schon am 1. Tag.

    Koalaschild    Koala

    Über Gympie, Roma, Richtung Emerald steuern wir unseren 1. Nationalpark an. Die z.T. langweiligen Streckenabschnitte durch knochentrockenes Steppenland verbringen wir mit dem Zählen toter Kängus und suchen des 1. Schlafplatzes. Kein Problem hier! In jedem Kaff, sofern denn eines kommen soll, gibt es einen Camping. Oder irgendwo im Busch, oder an einem Fluss, egal wo, wir finden überall meist traumhafte Plätze. So stehen wir in unserer 1. Nacht an einem Wasserloch mit 5 anderen Campern, 4 km von der Strasse entfernt und frieren uns einen ab. Wir sind in einer Wüsten ähnlichen Gegend und immer noch südlich vom Wendekreis des Steinbocks. In der Nacht wird es hier bitterkalt. Auch unser Nissan hat die Kälte gar nicht gern und springt am Morgen erst nach einem Sprutz „Start ya Bastard“ direkt in den Luftansaugschlauch an. So beschliessen wir die geplante Richtung zu ändern und Birdsville, Alice Springs und den Uluru erst auf dem Rückweg oder so anzusteuern. Wir halten uns jetzt nach Norden in die Wärme.

    Frieren im Outback    Emus

    Der NP Carnarvon überrascht uns mit einer tollen Schlucht mitten im Tableland. Da der Fluss das ganze Jahr hindurch Wasser führt, zeigt sich hier eine üppige Vegetation. Palmen. Riesenfarne, verschiedene Eukalypten, paradiesisch schön. Wir wandern diese Gorge hinauf bis zum Ende, machen immer wieder Abstecher in Seitencanyons und überqueren den Fluss zigmal. Ein Knacken im Busch, ein Wallaby, dort noch eines und da schon wieder. In den Ästen flattern, pfeifen und kreischen wundersame Vögel und das Pünktchen auf dem i, die Kakadus. In Scharen fliegen sie mit uns mit. Die 20 km hatten es in sich, dafür wurden wir von der Natur reich belohnt.

    Carnarvon Gorge    Kakadus

    2-3 Nächte hat es schon gedauert, bis wir einigermassen in unserer Karre organisiert sind. Ach wie schön wohnt es sich doch im Hidalgo. Nur schon mit dem Nötigsten ist unser Nissan vollgestopft bis obenhin. Plastikboxen für Kleider und Küche, die Gasflasche immer im Wege. Die Klapptische in den Türen müssen zuerst entstaubt werden, dann das Bett hochstellen, einen Wasserkanister darunter, den Herd anschliessen, Kaffee kochen und alles wieder zurückbauen. Wohin mit den Klamotten in der Nacht? Wie kommt man einfach aus dem Bett um in der Nacht biseln zu gehen? Wo ist jetzt schon wieder der Rucksack, die Angelrute, die Ersatzbatterien? Ach ja, auf dem Dachträger, in der Box, unter der Blache, angezurrt mit dem Spannset zwischen den Kanistern für 70 l Wasser und 20 l Diesel. Uff, man merkt es gleich, wir sind verwöhnt.

    Wüstenei Ameisenstaat Schwarzkopfpython

    Dem Capricorn Highway folgen wir nach Mount Isa, es wird bedeutend wärmer hier. Von dort gerade hinauf auf den Savannah Way. Eine Offroadpiste, die von der Ostküste  bei Cairns in Queensland durchs Northern Territory nach Darwin führt. Nur ca. 3500 km lang. Ab Gregory Down muss man Wellblech, Tiefsand und Staub mögen oder auf der Stelle wenden. Ab hier sind wir endgültig im Nirgendwo, Crocodile Dundee lässt grüssen. Nächste Tanke in 400km, einkaufen?, keine Chance. In den einzelnen Aborigines Dörfern füllen wir Diesel und Wasser und weiter geht’s durch den Busch.

    Staubpiste    Flussdurchfahrt

    Gemütlich fahren wir mehrere Tage durch den Limmen Nationalpark. Immer wieder finden wir Hammerplatze für die Nächte. Meist an Flüssen oder glasklaren Quellentöpfen die Gott sei Dank auch in der Trockenzeit nicht versiegen. So ist auch die tägliche Dusche oder gar ein Vollbad inbegriffen. Dafür müssen wir jetzt die Augen offen lassen, um nicht gefressen zu werden. Ausnahmsweise nicht von den Moskitos oder den Milliarden von Fliegen, die uns am Tag ganz schön nerven, sondern von den Krokodilen. Die Salties (Salzwasserkrokodile) kommen schon ganz schön weit von der Küste des Golfs die Flüsse hinauf, bis sie von den Süsswasserkroks abgelöst werden. Nichts Neues für uns. Einer hält Wache, der Andere kühlt sich im klaren, seichten Wasser ab.

    Fliegenplage     Grosses Salty

    Irgendwie schafft es Franziska immer zu kochen wie zu Hause. Es fehlt an Nichts, obwohl unsere Kühlbox innen die gleiche Temp. hat wie draussen und das sind nun schon ziemlich über 30°. Eine elektrische Kühlbox hätte eine 2. Batterie und /oder Solarenergie vorausgesetzt. Zu grosse Investition für so kurze Zeit. Wir werden sehen. Heute nach 8 Tagen in der Wildnis gibt es auf jeden Fall Risotto mit Rahm und Käse. Dazu roten Kabissalat Yammi!!!

    Fährt man vom Savannah Way nach rechts oder links weg, geht es dann wirklich zur Sache. Allrad und Untersetzung ist angesagt. Tiefsand, steile Rampen, felsige Bachbette oder über einen Meter tiefe Flüsse lassen den Nissan ziemlich schwitzen und den Dieselverbrauch von normal ca. 11 l auf lockere 16- 20 ansteigen. Er oder sagen wir mal wir drei haben es aber bis jetzt ganz gut gemeistert. So sind wir es, die die Outback erfahrenen Aussies aus dem Sand ziehen.

    Crocodil Felix Fliegenschutz Hilfe im Tiefsand

    Etwas ganz anderes bemerken wir in letzter Zeit immer häufiger und müssen darüber schmunzeln. Wie sehr sind wir doch von den Naturschönheiten verwöhnt. Liegt ein Kroki am Ufer, springen die Aussies ganz aufgeregt umher und rufen uns zu: „ Kommt, kommt dort ist ein Krokodil, ein Krokodil (ca. 300 m entfernt) kommt doch und schaut, das hast‘e nicht gesehen,…… J“ Die wissen nicht, dass dies vielleicht unser 5386 zigste Kroki ist. Oder in der Southern Lost City, eine erodierte Felsenlandschaft mit roten Sandstein Türmen, ähnlich wie im Bryce Canyon in den USA, oder in Kolumbien oder Argentinien. Auf denselben Breitengaden wiederholt sich die Natur oft rund um den Erdball. Wir finden alles immer wieder wunderschön, nur flippen wir deswegen halt oder leider nicht mehr aus.

    Southern Lost City    Butterfly Spring

    Australien ist Internetmässig noch übler als Kanada ja gar noch richtig in der Steinzeit. So müssen wir für diesen Bericht des Stromes wegen auf einen Campingplatz, den ersten überhaupt und für das Internet in der nächsten City, vermutlich Katherine am Stuart Highway, in eine Bibliothek. Das tolle an diesem Camping hier ist seine Thermalquelle, die langsam, kristallklar und warm mitten durch den Busch fliesst. Gerne lassen wir uns von der Strömung treiben. Ein Highlight der Sonderklasse nach so viel Staub auf dem Savannah Way.

    Lorella Spring    Kragenmatz

    Nachdem die Reifen wieder auf Normaldruck gebracht sind,( harte Pneus wären auf diesen Wellblechpisten für jedes Auto tödlich gewesen), geht es nun weiter auf dem Stuart Highway Richtung Darwin.

    Auch müssen wir unsere Lager an Essen, Trinkwasser und Diesel füllen, um die nächsten Tage vermutlich zuerst den NP Nitmiluk und dann den berühmten Kakadu NP zu besuchen. Hoffen wir, es hat nicht wie hier so viele andere Camper.

    Kakadu am Turnen    Heron

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